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Die Rolle der MT und ihre Einsatzgebiete

07. März 2017, Patrick Beßler - Wussten Sie schon

Die Bedeutung Maschineller Übersetzungs­systeme im Übersetzungs­alltag nimmt stetig zu. Die offen­sicht­lichen Gründe hierfür sind die Wün­sche nach günstigeren Preisen und kürzeren Liefer­zeiten. Eine große Rolle spielt aber auch die schier un­fassbare Daten­menge, in Form einer wahren In­formations­flut. Zu diesen Daten gehören zum einen klassische Textsorten wie Technische Doku­men­tationen, Betriebs­anlei­tungen oder Produkt­informationen, zum anderen aber auch vor allem Daten, die im Internet produziert werden, in Foren, sozialen Netzwerken oder auf Online-Shopping-Webseiten. Überall dort werden Daten produziert, die oftmals in verschiedenen Sprachen vorliegen müssen, weil die Informationen von ihren Rezipienten in ihrer jeweiligen Sprache erwartet werden. Auf dem klassischen Übersetzungs­weg ist diese Daten­menge nicht mehr zu be­arbeiten.

Kann die Maschinelle Übersetzung dabei mithelfen diese Datenflut zu bewältigen? Die kurze Antwort: sie kann. Eine etwas längere Antwort: in mehrerer Hinsicht. Um diese Antwort auszuführen, müssen die Einsatz­gebiete Maschineller Übersetzungs­systeme erklärt werden.
Maschinelle Übersetzungssysteme können Webseiten on-the-fly in die Zielsprache übersetzen. Dies ist insbesondere dann nützlich, wenn Inhalte übersetzt werden, die häufigen Änderungen und Ergänzungen unterliegen, wie zum Beispiel Inhalte von Foren oder sozialen Netzwerken.

Ein weiterer Einsatzbereich ist die Informations­übersetzung, das sogenannte Gisting. Hier ist es lediglich das Ziel, das Kernthema und die Inhalte des Textes zu erfassen. Die sprachliche Korrektheit im Detail steht in diesem Fall nicht im Vordergrund. Häufig wird in diesem Szenario auf die Online-Übersetzer von Google oder Microsoft verwiesen, bei deren Nutzung aber stets der Beigeschmack der nicht bekannten Datenverwendung mitschwingt. Hierbei ist ggf. die Datensicherheit nicht gewährleistet, da nicht bekannt ist, ob und wie die an das Übersetzungssystem gesendeten Daten weiterverarbeitet werden.

Sollen Texte in einer oder mehreren Zielsprachen publiziert werden und kommt es dabei nicht nur auf die inhaltliche, sondern auch auf die sprachliche Richtigkeit an, so eignet sich der Einsatz der Maschinellen Übersetzung in Kombination mit Post Editing. Dabei führt das maschinelle Übersetzungssystem in den häufigsten Fällen eine komplette Vor­über­setzung des Textes durch und der Post Editor überarbeitet diese Texte, d.h. er korrigiert inhaltliche und sprachliche Defizite. Allen an diesem Prozess Beteiligten muss jedoch klar sein, dass MT plus Post Editing nicht einfach nur die "günstige Variante" einer Übersetzung ist. Übersetzer und Auftraggeber müssen sich bewusst machen, dass Post Editing ein anderes Handwerk als Übersetzen ist. Während sich ein Übersetzer am Quelltext orientiert, ist der Zieltext die Basis für die Arbeit eines Post Editors. Für die Qualität des Zieltextes ist der Auftraggeber in hohem Maße mitverantwortlich, denn er gibt vor, wie viel Aufwand in das Post Editing gesteckt werden soll, und definierte damit die erreichbare Qualität des Ergebnisses. In einem Styleguide legt er fest, welche Kriterien erfüllt sein müssen, beispielsweise die konsistente Nutzung bestimmter Terminologie.

Maschinelle Übersetzung ist auf dem Weg sein Nischendasein zu verlassen und wird sich aller Voraussicht nach zu einem Standard­werkzeug für die Bereitstellung von Übersetzungen entwickeln. Dabei wird sie jedoch die klassische Übersetzung nicht ersetzen, sondern neue Möglichkeiten insbesondere im Hinblick auf steigende Volumina, schnellere Verfügbarkeit und begrenzte Budgets schaffen. Für die Akteure im Übersetzungs­geschäft bedeutet dies also nicht nur Risiko sondern vor allem auch die Chance auf Weiterentwicklung.

Weitere Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten der maschinellen Übersetzung erhalten Sie auch von Herrn Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailPatrick Beßler vom Öffnet internen Link im aktuellen FensterProfessional Services Team der RWS Group Deutschland.


Beglaubigung, Apostille oder Legalisation – Übersetzungen im internationalen Rechtsverkehr

24. Februar 2017, Carsten Mende - Wussten Sie schon

Die Regelungen für die Ver­wendung und An­erkennung von Doku­menten in oder aus anderen Ländern sind viel­fältig und führen häufig zu Pro­blemen. Ursache hierfür ist, dass die kon­kreten An­forderungen immer von der Stelle be­stimmt werden, die ein Dokument er­halten will. Oft gestaltet es sich schwierig, die Echt­heit eines Dokumentes oder die Korrekt­heit einer bei­gestellten Über­setzung zu einem Original­dokument fest­zustellen. Daher er­folgt üblicher­weise die Be­stätigung dieser Echt­heit oder Über­einstimmung durch eine an­erkannte Stelle.

Die einfachste Form hierbei ist die Legalisation. Die Legalisation bestätigt, dass eine Kopie „echt“ ist, d. h. dass sie dem Originaldokument entspricht. Für Dokumente, die nach dem CIEC-Abkommen bereits mehr­sprachig ausgestellt werden, reicht die Legalisierung oft bereits aus, d.h. es wird für viele Länder keine zusätzliche Übersetzung des Dokumentes benötigt. Die Legalisation deutscher Dokumente wird von den konsularischen oder diplomatischen Vertretungen der Länder durchgeführt, in denen das Dokument oder die Urkunde verwendet werden soll. Teilweise wird hierzu eine Vor- oder Endbeglaubigung durch eine deutsche Behörde benötigt.

Darüber hinaus gibt es das Haager Übereinkommen von 1961, das vorsieht, dass die Legalisation durch eine Haager Apostille ersetzt wird. Dieses Abkommen bezieht sich auf eine Vielzahl weiterer Dokumente und Urkunden, die bspw. im Handelsverkehr oder bei Zollverfahren benötigt werden. Mit der Apostille werden die Echtheit der Unterschrift bzw. eines Siegels und die Befugnis zur Ausstellung bestätigt. Voraussetzung für die Ausstellung einer Apostille ist die Vorlage des Dokumentes oder der Urkunde im Original. Eine Apostille für deutsche Dokumente und Urkunden kann von bestimmten deutschen Behörden ausgestellt werden.

Zusätzlich kann für die Verwendung eines Dokumentes oder einer Urkunde auch eine Übersetzung er­forderlich sein. Diese wird in solchen Fällen üblicherweise durch einen öffentlich beeidigten oder ermächtigten Übersetzer erfolgen. Durch seine Unterschrift und seinen Stempel bestätigt der Übersetzer als Sachverständiger die Korrektheit der Übersetzung. Dies ist die erste Stufe im Veredelungs­prozess von fremdsprachigen Fassungen. Damit ist die Übersetzung allerdings noch nicht zu einer rechtsfähigen Urkunde geworden. Als nächster Schritt ist die Beglaubigung der Unterschrift (und rechtlichen Befähigung) des Übersetzers durch einen Notar möglich. Dieser Schritt ist aber nicht immer zwingend er­forderlich. Ist eine höher­wertige Bestätigung vonnöten, kann durch die zuständigen Gerichte die Eigenschaft des Übersetzers als anerkannter Sachverständiger bestätigt werden. Diese Bestätigung ist dann eine öffentliche Urkunde, für die anschließend eine Apostille oder Legalisation erteilt werden kann.

Etwas einfacher sieht die Situation bei der Verwendung von ausländischen Dokumenten oder Urkunden in Deutschland aus. Hier reicht in vielen Fällen eine Legalisation oder Apostille des Originaldokumentes in Verbindung mit einer Übersetzung durch einen öffentlich beeidigten oder ermächtigten Übersetzer aus.

Gern beraten und unterstützen wir Sie bei der Anfertigung von beglaubigten Übersetzungen sowie bei der Legalisation und der Ausstellung von Apostillen für ihre Dokumente und Urkunden. Ihr Ansprechpartner in unserem Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailTeam 2 ist Herr Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailCarsten Mende


Qualität, Zeit oder Geld – Was hat Priorität?

02. Dezember 2016, Hans Pich - Wussten Sie schon

Das magische Dreieck der nicht komplett vereinbarten Ziele von Qualität, Zeit oder Geld kennt wahrscheinlich fast jeder. Doch was hilft dies, wenn man in der konkreten Situation steht und entscheiden muss, wo denn die Priorität nun wirklich liegt. Hierfür braucht es dann ein einfaches Werkzeug um schnell eine Entscheidung treffen zu können.

 

Bei der Beauftragung von Übersetzungen stellt sich die Frage nach der Priorisierung häufiger, als es einem lieb sein kann. Eilige Aufträge bei gleichzeitig hohen Anforderungen und begrenztem Budget sind eher Alltag als Ausnahme. Dies gilt natürlich sowohl für uns als Dienstleister als auch für unsere Auftraggeber. Mit folgenden Fragen kann man sich selbst helfen, die Frage nach der Priorität zu beantworten.

  • Wenn bei einem Auftrag der Liefertermin nicht ohne weiteres eingehalten werden kann, bin ich dann bereit Einbußen bei der Qualität hinzunehmen, wenn dafür der Termin eingehalten werden würde?
  • Bin ich bereit mehr Geld auszugeben, um entweder die Qualität zu verbessern oder die Lieferung früher zu erhalten?

Mit der ersten Frage kann die Priorisierung in Bezug auf Qualität und Zeit festgelegt werden. Dieses muss natürlich nicht für alle Aufträge gelten, sondern kann von Auftrag zu Auftrag neu beurteilt und entschieden werden. Die Entscheidung zwischen Qualität und Zeit ist dabei eine eher qualitative Frage. Bei entsprechender Vorbereitung bspw. durch verfügbare Terminologie oder Style Guides, leicht übersetzbaren Ausgangstexten und dem rechtzeitigen Aufbau ausreichender Kapazitäten stellt sich diese Frage natürlich viel seltener. Und selbst bei einer Entscheidung für eine frühere Lieferung darf die Qualität natürlich nicht so leiden, dass die Übersetzung an sich nicht mehr für den Verwendungszweck geeignet wäre.

Beispielsweise könnte eine Übersetzung ohne Revision erstellt werden, um eine frühere Lieferung zu ermöglichen. In der Folge ist allerdings mit einer höheren Fehleranzahl in den Übersetzungen zu rechnen. Auch ist zu beachten, dass die Übersetzung dann nicht mehr konform zur ISO 17100 wäre.

Mit der Entscheidung zwischen Qualität oder Zeit bleibt noch die Einordnung des Faktors Geld. Mit zusätzlichem Aufwand, der in der Folge jedoch auch höhere Kosten mit sich bringt, lassen sich ggf. zu erwartende Einbußen in der Qualität reduzieren oder ggf. auch Prozesse bspw. durch den Einsatz zusätzlicher Übersetzer beschleunigen. Durch die Aufteilung eines Auftrages auf mehrere Übersetzer kann früher geliefert werden, es ist aber zu erwarten, dass es Inkonsistenzen zwischen den beteiligten Übersetzern geben wird. Dieser Effekt lässt sich aber durch den Einsatz zusätzlicher Korrektoren oder Terminologen vermindern, die die anderen Übersetzer unterstützen und die Konsistenz wieder verbessern. Der Einsatz zusätzlicher Bearbeiter bedeutet aber einen höheren Aufwand mit den damit verbundenen Kosten.

Die Beantwortung der beiden Grundfragen reicht in der Praxis oft aus, um die Priorisierung der Ziele so festzulegen, dass in der Folge die für diesen Auftrag passenden Prozesse und Ressourcen kalkuliert und erfolgreich umgesetzt werden können.


Ansprechpartner

Hans Pich

Senior Business Development Manager 

 

Tel.: +49-30-498 572 12
Fax: +49-30-498 572 90

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Aktuelles

Pünktlich zur tekom jahrestagung erscheint auch die neue REEDME, dem gemeinsamen Newsletter von RWS Deutschland und tecteam, mit Infos aus und von den Unternehmen.

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Die tekom-Jahrestagung vom 24.-26.10.2017 im ICS in Stuttgart ist das Event für die technische Kommunikation. Über 4500 Tagungsteilnehmer und Messebesucher nutzen die Gelegenheit sich über aktuelle Trends, Technologien und Prozesse auszutauschen. Nutzen Sie die Möglichkeit und besuchen Sie uns auf unserem Stand 2/E02. Wir freuen uns auf Sie.

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Die Nutzung der APIs zur Erweiterung der Funk­tionalität von kommerziellen Software­­produkten eröffnet Möglich­keiten zur Um­­setzung spezifischer An­­forderungen und Steigerung der Effizienz. Im SDL-Webinar "How LSPs have taken trans­lation to the next level with SDL AppStore" zeigt das Professional Services Team der RWS Group Deutschland Bei­spiele für er­­folgreiche Lösungen.

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“We are delighted to be acquiring LUZ which, together with CTi, will strengthen the Enlarged Group as a leading player in the global Life Sciences translation space, with a significant presence across North America, Europe and Asia. We are also pleased with the level of support we have received from existing shareholders and new institutional investors in the Placing." stated Andrew Brode, chairman of RWS.

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Im November 2016 haben wir eine Umfrage zu Weiterbildungen im Übersetzungsbereich gestartet. Nun liegen die ersten Er­­gebnisse vor.­

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